Jeder Mensch ist eine Sonnenkönigin

Interview von Sarah Bude für die Zeitschrift „Mellifera“ 2017

Laurence Liebenguth-Rogez arbeitet seit 1983 als freischaffende Künstlerin. In ihren Werken beschäftigt sie sich intensiv mit den Bienen, ihrem Wesen und den Substanzen des Bienenstockes mit dem sie künstlerisch arbeitet.

Liebe Laurence, Du hast Kunst und Malerei studiert. Wie sind die Bienen in Deinen Werken gelandet?

Ganz einfach: Sie kamen angeflogen und waren da. (lacht) Nein, ich bin ein sehr naturverbundener Mensch und habe schon als Kind mehr Zeit draußen in der Natur als drinnen verbracht. Mit 19 war einer der ersten Texte, welchen ich von Rudolf Steiner las, seine Vorträge „Über das Wesen der Bienen“. Ich verstand damals zwar nicht viel, aber ich war total fasziniert. Die Bienen ließen mich nicht mehr los, es öffnete sich für mich eine neue Welt. Auf einer Reise nach Ephesus lernte ich Thomas Radetzki von Mellifera e. V. kennen. Mein Interesse mehr über die Welt der Bienen zu erfahren wuchs und wuchs. Ich besuchte diverse Bienentagungen und Imkerkurse. In mir reifte der Gedanke mit den Bienen künstlerisch zu arbeiten. 2005 war es dann endlich soweit. Ich steckte mitten in den Vorbereitungen für meine erste Bienenausstellung und plötzlich wurde in der Presse über das erste große Bienensterben in den USA berichtet. Für mich war das ein eindeutiges Zeichen, meine Kunstinstallation war wie ein Spiegel des Bienensterbens, so wie die Bienen selbst auch im kleinen einen Spiegel unseren größten Umwelthemen sind, sei es Klimawandel, Genmanipulation, Ernährungsfragen, künstliche Zucht, soziales Zusammenhalten. Als ich dann noch einen Bienenkorb in meinem Garten aufstellte und direkt ein Schwarm einzog, war es vollends um mich geschehen.

Was fasziniert Dich so an den Bienen?

Für mich ist das Thema Licht und Wärme wesentlich. Ich bin immer auf der Suche nach dem Lebendigen. Zudem arbeite ich beinahe  ausschliesslich mit den verschiedenen Materialien des Bienenstockes wie Pollen, Wachs, Honig, Propolis - sie geben mir sehr viel Inspiration, zumal sie auch noch eine starke heilende Wirkung haben. 

Die Bienen symbolisieren so unglaublich viel: sie wurden schon immer als heilig angesehen und verehrt, für mich sind sie ein Symbol der Auferstehung und sind Vermittlerinnen zwischen Sonne und Mensch, sozusagen Sonnentiere. Das Wort von Rudolf Steiner „Was in unserem Herzen reift, wenn wir lieben, dass ist im Bienenstock Substanz geworden.“ drückt genau dieses Mysterium aus, welches mich am meisten bei den Bienen fasziniert!

Wie kann man sich den Entstehungsprozess Deiner Arbeiten vorstellen?

Bei meinem Projekt „Apis Regina / Mella D107“  sollte es um Kunst im Honig gehen. Ich gestaltete jedes der 107 Gläser individuell, beispielsweise mit Motiven aus dem Bienenleben wie der Bienentanz. Mir ging es um das Spiel und die Transparenz der Materialen (Bienenwachs, Blattgold, Tusche) im Honiglicht.

Davor nahm ich an einem homöopathische Verreibung einer Bienenkönigin teil, diese Meditationsarbeit hat mich wahnsinnig beeindruckt,  mir wurde bewusst wie stark die Bienenkönigin in ihrer eigenen Mitte ruhend war, als ob sie selbst das sonnige Gottes inneren Kern wäre. So kam ich auf die Idee ein wenig von der entstandenen homöopathische Substanz Apis Reginain die Gläser zu ergänzen, so wurden daraus „Heil-Honigkunst Gläser“, quasi ein Wundheilungsmittel im Glas... Der Erlös der Kunstaktion kam Mellifera e. V. zugute.

Für ein anderes Projekt, „Apis Stella“, beschäftigte ich mich intensiv mit den Bienensubstanzen und stellte fest, dass es sieben gibt (das Bienengift ausschließend) - Propolis, Gelée royale, Honig, Pollen, Nektar, Wasser und Wachs. „Verrückt“, dachte ich mir, denn es gibt ja auch sieben Planeten und sieben Lebensprozesse. Für mich war das damals die Entdeckung schlechthin (lacht). Nun, dies inspirierte mich zu einer Installation mit sieben Bienenkörben zu den sieben Planeten. Ich präsentierte es 2005 auf dem Beuys-Symposium, welches passenderweise sieben Tage dauerte. Jeden Tag stülpte ich einen Korb um. 

Im darauffolgenden Jahr habe ich das Ganze dann malerisch umgesetzt, „Apis Stella 2“. Ich arbeitete an sieben großformatigen Leinwänden mit Blattgold, Kupfer, Bienenwachs, Waben, Eisen, Erde, Propolis, Beize, Schachtelhalm, Bienenwaben und Pflanzenfarben. Es war ein Spiel mit den Substanzen, weniger „Gemaltes“, jede einzelne Tafel war ein Gewordenes und ein Werdenes.

Was möchtest Du mit Deiner Arbeit erreichen bzw. wen ansprechen?

Puh, „erreichen" finde ich ganz schwierig, weil ich kein festes Ziel oder Vorstellung habe. Mittlerweile fühle ich mich eher als Vermittlerin, wie die Bienen, denn als Künstlerin. Das Thema Liebe, Devotionskraft ist mir sehr wichtig, das ist ein Bienenthema, die Bienen sind permanent in dieser dienenden Haltung, in der selbstlosen Liebe in allen ihrer Tätigkeiten. Sie zeigen uns diese grosszügige Liebesfähigkeit so dass vor einem Bienenstock das Gefühl entstehen kann "Ich bin klein, der Bien ist groß“ in Anlehnung an Johannes der vor dem Kreuz sagt „ich bin klein, Er muss wachsen". Das Weibliche beschäftigt mich immer mehr, denn wir brauchen in der heutigen Welt verstärkt eine neue, starke und feine Weiblichkeit. In den Seminaren arbeiten wir natürlich auch viel mit den Bienensubstanzen, es ist alles eine Einheit, die Bienen gehören immer dazu. So biete ich seit kurzem auch Massagen an, aber natürlich auch mit Bienensubstanzen, nämlich mit Honig (lacht). Für mich ist jeder Mensch ein Künstler und jeder Mensch eine Sonnenkönigin!

 

Vom Wunder der Umwandlung
Laurence Rogez: Apis Stella I/II  oder > Leben heißt, den Tod anhalten <

„Ursache Zukunft“ lautet ein Projekt am Dornacher Goetheanum (3. 5. - 3. 8.). Laurence Rogez, in Stuttgart lebende Künstlerin, zeigt im Speisehaus am Goetheanum ihre Zyklen > Apis Stella I/II <, > Mon Amourabeille < und weitere Installationen, Kunstobjekte, Aktionen und Performance zum Thema > to bee or not to bee <. Das ist durchaus wörtlich zu nehmen – ohne Biene keine Welt in der uns bekannten Form.
Ein Gesamtkunstwerk wird es sein, was im Frühjahr bis in den August hinein erlebbar wird: 107 Gläser Honigkunst zugunsten des Vereins Mellifera e.V., der sich für die wesensgemäße Bienenhaltung stark macht, die Speisekarte, die den Honig als Geschenk der Bienen würdigt und die Kunst - neben den großen Zyklen zusätzlich weitere Kunstwerke an Fenstern und Tischen.

Laurence Rogez hat ein besonderes Verhältnis zu Bienen. Ihr Vater, Hobbytierfotograf, führte seine Tochter sonntags in die Natur, ins elsässische Ried, Pantheismus anstelle eines Kirchgangs. Eines der ersten Steiner-Bücher, die Laurence Rogez in die Hand nimmt, ist der Zyklus „Über das Wesen der Bienen“. Dritte Inspirationsquelle zum Bienenthema ist das Werk von Joseph Beuys. So begleiten die Bienen das Leben und inzwischen auch das Werk der kraftvollen Künstlerin, deren Gestaltungsmittel allesamt aus der Natur entnommen sind. Für die Bienenprojekte ganz besonders – zu den Erdfarben, der Asche, dem Sand, den Pigmenten, dem Blattgold, dem verriebenen Edelstein kommen nun das Wachs, die Wabe, die Jute, mit dem die Bienenstöcke bedeckt sind und sogar der Bienenkorb selbst als Heimat einer Gemeinschaft voller Wunder.

Laurence Liebenguth-Rogez     > mon amourabeille <  du 21 au 29 Mars 2O15 Vernissage le 2O mars à 2Oh du lundi au vendredi de 14 à 19h samedi et dimanche de 11 à 21h,  entrée libre,
  Salle des Fêtes de Volgelsheim

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